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Full text of "Artist 93 Nov 2012"

Taz, 23.09.2011 

Bedrohte Erinnerung 



Ein Anfang vor dem Ende 

Der Rosenak- Verein eröffnet im Keller der zerstörten Synagoge seine sehr sehenswerte 
Dauerausstellung - die vielleicht schon bald wieder geschlossen wird. 

von HENNING BLEYL 




Im Keller der zerstörten Synagoge. Bild: hb 

Zum 1. Oktober droht bereits das Aus: Der Rosenak- Verein, der am Donnerstag seine 
Dauerausstellung im Synagogenkeller eröffnete, hat zum Quartalsende den Mietvertrag in der 
Kolpingstraße 7 gekündigt. Zu prekär seien die Finanzen des Vereins, heißt es. Vor wenigen 
Wochen verfasste dessen Vorstand einen weitgehend resonanzlosen Unterstützungs-Appell an 
die Fraktionen der Bürgerschaft. Lediglich die CDU reagierte mit eine spontanen Spende: 
Deren Abgeordnete brachten privat 1.500 Euro zusammen. 

"Der Blick in die Zukunft macht uns ziemlich ratlos", sagt Vereinsvorstand Dieter Fricke bei 
der Eröffnung. Bei der sind, aus dem Parteienspektrum, lediglich die CDU und der grüne 
Beirat-Mitte-Sprecher Michael Rüppel vertreten. Trotzdem sei man auch "ein wenig stolz auf 
das Erreichte", fügt der Historiker Fricke hinzu. Mit Recht: Mit Mitteln der Stiftung 
Wohnliche Stadt wurden die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Gewölbekeller saniert und 
mit Leben gefüllt. Die 40 Vereinsmitglieder haben mit Arbeiten über Antisemitismus in der 
DDR oder Feldrabbiner nicht nur spannende Wechselausstellungen zustande gebracht, 
sondern nun auch, auf weitgehend ehrenamtlicher Basis, gut konzipierte Elemente einer 
Dauerausstellung geschaffen - die zugleich von ambitionierten Schulaktivitäten zeugen. 

In einem halbjährigen Projekt an einer Waller Schule hat Carola Krüger beispielsweise 
Zeitzeugen-Interviews zur Reichspogromnacht und jüdischen Kindertransporten erarbeiten 



lassen, die jetzt in Hörstationen abrufbar sind. Auf einem Lesetisch liegen die gebundenen 
Jahrgänge 1929 bis 1936 des Bremischen "Israelitischen Gemeindeblatts", die Krüger aus der 
Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig besorgt hat. Deren stetig abnehmender Umfang legt 
ein beredtes Zeugnis von der fortschreitenden Eliminierung des Gemeindelebens ab. 

Auch die vielen Toten haben im Untergeschoss des früheren Gemeindehauses mit Namen und 
Fotografien einen würdevollen Platz gefunden. Eine geplante interaktive Karte der in Bremen 
verlegten Stolpersteine konnte noch nicht realisiert werden, doch immerhin steht ein 
elektronisches Archiv zur Verfügung. Wer in den leeren Gewölbekeller der 1938 zerstörten 
Synagoge hinüberwechselt, taucht ein in eine eindrucksvolle Ton- und Videoinstallation der 
jüdischstämmigen Künstlerin Elianna Renner, Meisterschülerin der Bremer Hochschule für 
Künste. 

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Haus seine Pforten schließt", sagt Karin Garling 
auf Nachfrage. Die stellvertretende Fraktions Vorsitzende und kulturpolitische Sprecherin der 
SPD verspricht "gemeinsame Anstrengungen" zum Erhalt des Gedenkortes. Die Mittel dafür, 
wie von der CDU vorgeschlagen, aus der senatseigenen Start-Stiftung zu beziehen, sei 
allerdings "schwierig": Deren Geld sei schließlich für die künstlerische Jugendförderung 
zweckgebunden. 

Konkret geht es um rund 40.000 Euro im Jahr, die der Verein für Miete und die Finanzierung 
einer halben Stelle benötigt: Ehrenamtliche Arbeit braucht einen festen Anker, jemanden, der 
sich um die Organisation und Projektanträge kümmert. Carsten Werner, kulturpolitischer 
Sprecher der Grünen, hält eine Stellenfinanzierung gleichwohl für "schwierig", will sich aber 
ebenfalls für den Erhalt und die Zugänglichkeit der Räumlichkeiten einsetzen. Werner: "Das 
Gebäude ist wichtig, die Aktivitäten des Vereins sind gut." Am Dienstag kommt das Thema 
auf Antrag der CDU in die Bürgerschaft. 



Tageszeitung, 23.09.201 1 - HENNING BLEYL 
http://www.taz.de/178752/